Die Serie “Corbeilles de Paris” des Münchner Künstlers und Fotografen Ivan Baschang dokumentiert die historischen – und lange Zeit unbeachteten – Eisenkörbe des Pariser Stadtmobiliars, die heutzutage durch moderne Mülltonnen ersetzt wurden.
Bereits Napoleon III. wollte im 19. Jahrhundert die Natur Einzug in die Stadt halten lassen: Neben der Entstehung zahlreicher Parkanlagen und Grünflächen wurde die öffentliche Einrichtung zusätzlich an die vorherrschenden Naturformen angepasst.
1908 dokumentierte Denise Rodriguez-Thomé die Aufstellung des ersten Papierkorbs (“corbeille à papier”) am Pariser Place de l’ Opera.
Auch der eiserne “Corbeille Tulipe”, der “Korb in Tulpenform” wurde wenig später, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, entworfen: In ihm verschmelzen Elemente des neu aufkommenden Stils des Art Déco mit Zitaten der organischen Formensprache aus Zeiten Napoleons, durch die das Pariser Stadtbild noch weitestgehend geprägt war.

Der Tulpenkorb markierte mit seinem Erscheinen formal wie kulturell die Umwälzungen, die der Erste Weltkrieg mit sich gebracht hatte.
Durch die Zeit der Industrialisierung, die im 19. und 20. Jahrhundert immer mehr Menschen in die Großstadt drängte, erfuhr der Papierkorb zur Förderung von Sauberkeit im öffentlichen Raum eine gesteigerte Notwendigkeit. Nach Jahren vereinzelt installierter Papierkörbe wurde 1976 das planvolle Aufstellen des “Corbeille Tulipe” für alle Grünflächen in Paris amtlich bewilligt.
Ab Mitte der 1990er Jahr wurde der Tuplenkorb, verstärkt durch verschärfte Sicherheitsmaßnahmen nach Bombenschlägen in der Pariser Metro, sukzessive durch den aufkommenden Plastiksack verdrängt.
Im Jahr 2004 begann Ivan Baschang die Serie “Corbeilles de Paris” – mehr aus einer Ahnung denn aus der Gewissheit heraus, ein Objekt gefunden zu haben, das vom völligen Verschwinden bedroht war. Die archivierende Sammlung der Eisenkörbe als solche war ebenso Teil, wie die einzigartige fotografische Dokumentation und Suche nach den letzten verbliebenen Exemplaren des Modells Tulipe.
Baschang hält damit fest, was in absehbarer Zukunft nicht mehr vorhanden sein wird. In diesem vermeintlich unscheinbaren Detail der Pariser Gesamtarchitektur eröffnet der Künstler dabei eine Historie der Industrialisierung, der Politik und der Stadtgestaltung.
