Spotlight: Olaf Metzel

ÜBER DEN KÜNSTLER

Olaf Metzel (* 1952 Berlin) zählt zu den prägnantesten Stimmen der deutschen Gegenwartskunst, wenn es um öffentliche Räume, gesellschaftliche Konflikte und die Ästhetik des Protests geht. 

In den 1980er Jahren wurde Metzel mit Arbeiten bekannt, die traditionelle Skulpturbegriffe durch Materialien aus dem urbanen Alltag infrage stellten und politische sowie soziale Konflikte thematisierten. Seine Werke bewegen sich an der Schnittstelle von Kunst, Politik und Öffentlichkeit. Ob gestapelte Absperrgitter, zerlegte Stadtelemente oder scheinbar chaotische Installationen – seine Werke wirken oft wie eingefrorene Momente gesellschaftlicher Eskalation. Dabei geht es weniger um reine Provokation als um die Frage, wie Konflikte im Stadtraum sichtbar werden und welche Rolle Kunst in diesen Prozessen spielen kann. 

Er lebt und arbeitet in München und leitete für annähernd 30 Jahre die Klasse für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München.

Olaf Metzel, Berliner Kindheit (Edition) Modell 1 A, 2020, Aluminium - Guss, 20 x 16 x 15 cm, © Galerie Klüser

Die Serie Berliner Kindheit (2020), bestehend aus kleinformatigen Skulpturen, ist eine persönliche, künstlerische Auseinandersetzung Metzels mit der Geschichte seiner Geburtsstadt Berlin.

Olaf Metzel verwendet den Titel „Berliner Kindheit“ als biografischen und zugleich konzeptuellen Bezug auf seine Herkunft und die Prägung durch das Nachkriegs- und West-Berlin. Der Begriff verweist weniger auf eine klassische Autobiografie als auf eine künstlerische Reflexion darüber, wie Stadt, Geschichte und öffentliche Räume die Wahrnehmung von Konflikt und Alltag formen. Inhaltlich geht es dabei um Erinnerungsfragmente, urbane Erfahrung und soziale Spannungen, die sich im Stadtraum einschreiben. „Berliner Kindheit“ wird so zur Grundlage für Metzels weitergehende Auseinandersetzung mit der Stadt als politischem und kulturellem Erfahrungsraum.

“Irgendwie kann man sich an Berlin nicht genug abarbeiten, aber die Stadt nicht mal ignorieren, geht auch nicht. Da muss man durch.” 

 – Olaf Metzel, Keinen Meter zurück / Berliner Kindheit, München 2022, S. 47 

Olaf Metzel, In Stahlgewittern, 2014, Aluminium, Edelstahl, Digitaldruck, 220 x 224 x 70 cm © Galerie Klüser Foto: Lukas Schallmair

Dem historischen Einschnitt des Ersten Weltkriegs widmet Metzel seine monumentale Wandskulptur In Stahlgewittern. Die gefalteten und verformten Aluminiumplatten sind beidseitig mit Auszügen Ernst Jüngers gleichnamigen Kriegstagebuchs von der deutschen Westfront (1915 – 1918) sowie einem Briefwechsel zwischen Jünger und Bernd Klüser bedruckt.

Der Zusammenhang zwischen Olaf Metzel und In Stahlgewittern liegt vor allem im Titelzitat und der Übertragung von Kriegserfahrung in zeitgenössische Konfliktbilder. Ernst Jünger schildert in In Stahlgewittern seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg in einer nüchternen, zugleich eindringlichen Sprache, die Krieg als existenzielle Grenzerfahrung beschreibt. Metzel reflektiert dieses literarische Werk und situiert es innerhalb eines sozialen Kontexts. Er will mit dieser Bezugnahme zeigen, dass Gewalt und Konflikte nicht nur historische Kriegserfahrungen sind, sondern auch in der modernen Gesellschaft im urbanen Raum fortbestehen. Indem er den Begriff der „Stahlgewitter“ auf soziale Spannungen der Gegenwart überträgt und ihn innerhalb eines zeitgenössischen Bilddiskurses neu verhandelt, öffnet Metzel eine kritische Perspektive auf konsumorientierte Medien und die gesellschaftliche Wahrnehmung politischer Bildsprache.

Olaf Metzel, Fotografie
Olaf Metzel, Universal Studios, Hollywood 1986 (2002), Cibachrom auf Dibond, 120 x 180 cm © Galerie Klüser

Olaf Metzels übergeordnetes Interesse an der Inszenierung von Realitäten findet sich exemplarisch auch in seiner Arbeit Universal Studios, Hollywood wieder.

Die Fotografie eines brennenden Hauses enttarnt sich bei näherer Betrachtung als Filmkulisse und Momentaufnahme der amerikanisch-medialen Massenkultur. Hier verschiebt sich Metzels Blick zunehmend in eine medial vermittelte Bildwelt. Gewalt und Zerstörung erscheinen nicht mehr nur als existenzielle Erfahrung, sondern auch als inszeniertes Spektakel, das durch Film und Fernsehen ästhetisch aufbereitet wird.  Diese spezifische Perspektive auf Bildproduktion und politische Realitäten findet sich bereits in Metzels Ansatz bei ‘In Stahlgewittern’ und findet ihren Höhepunkt in der Auseinandersetzung des Künstlers mit Hollywood und dessen allgegenwärtiger Kultur der Darstellung. 

Gewalt erscheint damit nicht mehr primär als Bestandteil eines physischen Erfahrungsraums, sondern als ästhetisch und massenmedial disponiertes Bildobjekt.

Ausgewählte Werke

Berliner Kindheit (Edition) Modell 2A (2020)

Edition: 5 + 1

Aluminium Guss

13 x 20 x 9 cm

Berliner Kindheit (Edition) Modell 1A (2020)

Edition: 5 + 1

Aluminium Guss

20 x 16 x 15 cm

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