SEAN SCULLY

Early Prints

11. Februar – 30. Mai 2020

Galerie Klüser & Galerie Klüser 2

In der Ausstellung ‘Early Prints’ widmen wir uns dem druckgrafischen Werk im Œuvre Sean Scullys (*1945 in Dublin) – einem Verfahren, dem sich der Künstler verstärkt ab den 80er-Jahren zuwendet. Die Arbeiten zeugen von Scullys beständiger Erkundung neuer Ausdrucksmöglichkeiten mittels verschiedener Materialien und Techniken und deren individueller Eigenschaften.

Im Fokus der Ausstellung stehen Radierungen von 1993-2003: bedeutende Werkgruppen wie unter anderem Pomes PenyeachBarcelona DiptychTen Towersund Etchings for Federico García Lorcaentstanden in dieser Zeit – die meisten herausgegeben von der Galerie Klüser.

Im Gegensatz zur Malerei Sean Scullys sind seine Druckgrafiken von Anfang an abstrakt und begleiten somit gewissermaßen seine Hinwendung zur Abstraktion und die Entwicklung seines Formenvokabulars. Umso direkter wird der Blick auf die sinnlichen Qualitäten gelenkt, die in Papier, Farben, Techniken und dem Druckvorgang selbst zum Ausdruck kommen. Der Künstler experimentiert mit einer Vielzahl druckgrafischer Techniken, wobei er etwa beim Holzschnitt auch der Struktur des Rohmaterials eine eigenständige Rolle zuweist. Bei einem Großteil seines druckgrafischen Werks handelt es sich allerdings um Radierungen, deren vielfältige Verfahren (insbesondere Aquatinta, Zuckertusche und Spitbite, durch die besonders weiche, malerische Effekte erzielt werden können) er in Zusammenarbeit mit ausgewählten Meisterdruckern zu ausdrucksstarken Blättern und Serien umsetzte.

Auch bei den hier gezeigten Werken handelt es sich größtenteils um Radierungen. Sie zeigen beispielhaft die kraftvolle Präsenz, die Scully durch reiche Farbkontraste und bildkompositorische Elemente wie Schachbrettmuster, Balken, Streifen sowie Kombinationen aus zwei oder drei dieser Elemente auf einer Platte erzielte.

Zugleich bergen Scullys Grafiken auch ein persönliches Narrativ: sie erzählen auf sinnlich-visuelle Weise von Inspirationen und Einflüssen aus der Literatur oder seinen verschiedenen Wahlheimatstädten wie beispielsweise Barcelona. 1996 entstehen dort zwei Werkgruppen, die der Stadt beziehungsweise einem ihrer pulsierenden Viertel gewidmet sind: Barcelona Diptych 1-5und Raval 1-7.

Immer wieder wendet sich Scully auch literarischen Werken zu, deren Texte er in seiner visuellen Farb- und Formensprache interpretiert. Pomes Penyeach(1993) stellt den dreizehn Gedichten aus dem gleichnamigen Band von James Joyce vorwiegend monochrome Radierungen gegenüber. 1996 entsteht die H.G. Gadamer-Mappe – kompositorisch in enger Verwandtschaft zu den Barcelona-Drucken aus demselben Jahr, im Gegensatz zu den spanischen Serien sind die Blätter in Größe und Palette jedoch wesentlich reduzierter und ruhiger. 2003 setzt sich Scully mit dem dichterischen Werk des andalusischen Lyrikers Federico García Lorca auseinander; es entsteht ein Portfolio aus zehn Farb-Aquatinten mit gedruckten Gedichten Lorcas.

Der für Scully vielleicht wichtigste Aspekt der Druckgrafik ist ein gewisses Mysterium, das dem Herstellungsprozesses innewohnt. Im Gegensatz zur Malerei, bei der für Scully das Geheimnissvolle in den verborgenen Schichten liegt, am Ende jedoch das zuletzt Gemalte sichtbar bleibt, offenbart sich in der Druckgrafik am Ende ein Zusammenspiel aus Papier, unterschiedlichen Farbschichten und dem physischen Prozess an sich. – „There are things you can do with prints that you simply cannot do with any other medium.“

Ausgewählte Werke

Pomes Penyeach (1993)

Auflage: 10

Portfolio mit 7 Blättern: jedes Blatt mit 2 Radierungen von Sean Scully und Gedichten von James Joyce

55,2 x 75,9 cm (je Blatt)

Ten Towers (1999)

Auflage: 40

Portfolio mit 10 Blättern: Aquatinta, Sugarlift, Spitbite

40,9 x 30,7 cm (je Blatt)

Untitled (H.G. Gadamer) (1996)

Auflage: LX

Portfolio mit 5 Radierungen

26,3 x 18,5 cm (je Blatt)

Sean Scully

Über den Künstler

Sean Scullys Werk gründet sich auf einer stetigen Auseinandersetzung mit vertikalen und horizontalen Farbbahnen und Rechtecken. Mit verschiedenen Techniken und Materialien setzt Scully jene minimalistische Motivik konsequent in seinem künstlerischen Schaffen fort. Während er in seinen frühen Werken noch mit Klebeband klare exakte Streifenkanten setzt, löst er sich in den 80ern von dieser Präzision und malt die Konturen bewusst frei Hand als weiche lebendige Umrisse. Pinselduktus und Farbschichten lässt er deutlich erkennbar, wobei meist dunkle und erdige Farbtöne dominieren. Parallel zu den Gemälden entstehen Radierungen, Lithographien, Pastelle und Aquarelle, die sich in Motivik und Bildaufbau ähneln.

Newsletter abonnieren

Galerie Klüser Künstler*innen Kunstwerke Ausstellungen
Hinweise zum Widerruf und der Verarbeitung der Daten geben wir in unserer Datenschutzerklärung.